Wasser ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts:
Noch mehr als Öl oder Gold spielt das kühle Nass eine zentrale Rolle in der heutigen Wirtschaft.
Eine Stadt hat Durst. Seit Wochen ist die Wasserversorgung für tausende Menschen kaum mehr garantiert und der lang erwartete Regen lässt weiter auf sich warten. Während sich die Situation für die Bürger weiter zuspitzt, reagiert die Politik mit Verboten. Die Bürger dürfen ihre Autos nicht mehr waschen und den Garten nicht bewässern. Die Stadtregierung bestellt schließlich über die Meerroute Trinkwasser. In Tankern wird Wasser zu je 20.000 Kubikmeter in die Stadt gebracht – und die Dürre entspannt sich allmählich. Diese Situation spielte sich nicht in Afrika oder Asien ab, sondern in Europa. Die Stadt: Barcelona. Im Mai diesen Jahres führte die katalanische Hauptstadt der Welt vor Augen, was der wichtigste Rohstoff der Welt ist: Wasser.
Das neue Öl:
Ohne Wasser geht nämlich nichts mehr. Selbst in einer hochindustrialisierten Welt ist das kühle Nass ein wichtiger Rohstoff für das Funktionieren der Wirtschaft. Kein Wunder also, dass Wasser derzeit unter dem Namen „das neue Öl“ oder „das blaue Gold“ firmiert: Der Wert des Wassers wird – wieder – anerkannt – und damit auch die Gefahr von Wassermangel. Für Goldman Sachs ist die Knappheit des wichtigen Rohstoffes das globale Risiko Nummer eins. Das Problem: Die Nachfrage nach Wasser steigt weltweit an. Mit einer stetig wachsenden Weltbevölkerung werden immer mehr Menschen mit der gleichen Menge Wasser auskommen müssen.
Virtuelle Quelle:
Dabei nimmt der Wasserverbrauch auch mit dem rasanten Wirtschaftswachstum der Schwellenländer und den folgenden neuen Konsumwünschen zu. Denn wenn in China oder Indien mehr Fleisch konsumiert wird, treibt das nicht nur den Preis der Tiere, sondern auch die Wassernachfrage. Der Berechnungsschlüssel lautet: „Virtuelles Wasser“. Das Konzept zeigt, wie viel Wasser für verschiedene Güter verbraucht wird. So braucht man für ein 300-Gramm-Steak rund 4500 Liter Wasser, ein halber Kilo Käse schlägt mit etwa 2500 Liter Wasser zu Buche. Wenn also mehr Menschen proteinreiche Nahrungsmittel auf ihren Speiseplan setzen, kostet das mehr Wasser. Während der Konsum der Bevölkerung kaum eingedämmt werden kann, arbeitet die Politik fieberhaft an Lösungen zur Garantie des Wasserangebots. Einen innovativen Weg hat Australien genommen. Dort können Bauern die Wasserrechte, die ihnen für ihre Felder zugeteilt wurden, über die Börse handeln, ähnlich dem CO2-Handel für die Industrie. Ziel des Systems ist eine effizientere Nutzung des wichtigen Rohstoffes. Effizienz ist zudem ein wichtiges Schlagwort im Kampf gegen die Wasserknappheit. Weltweit werden die Wasserverluste, etwa durch Lecke in den Wasserrohren, von Wissenschaftern auf bis zu 50 Prozent geschätzt. Auch in Europa wird Wasser mitunter ineffizient genutzt. In Spanien treten etwa Wasserverluste von 31 Prozent auf, in Deutschland werden hingegen „nur“ neun Prozent verschwendet. Dabei ist Wasser ein wirklich knappes Gut. Obwohl Wasser 70 Prozent der Erde bedeckt, sind nur 2,8 Prozent davon Süßwasser und damit für den Menschen nutzbar. Doch große Teile des nutzbaren Wassers sind in Gletschern oder Eis gebunden. Bleiben für den Menschen nur 0,6 Prozent übrig.
Der Preis ist heiß:
Die steigende Nachfrage und das starre Angebot deutet auf eines hin: Der Preis von Wasser wird steigen. Genauer gesagt wird er noch weiter steigen. Denn nach Daten der NUS Consulting Group sind die Kosten von Wasser in den letzten fünf Jahren in den Industrie-Ländern um bis zu 68 Prozent angewachsen. Das Interesse von Unternehmen für die Branche ist jedenfalls geweckt. Große Versorger wie die französische Suez setzen auf das Thema Wasser – und auch im Bereich der Zuliefererindustrie tummeln sich mittlerweile dutzende Firmen, die innovative Rohre, Pumpen und Analysegeräte produzieren.